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Der Bau der US-amerikanischen Kriegslokomotive S 160

#1 von Buentig , 12.10.2011 00:45

Der Bau der amerikanischen Kriegslokomotive S 160
im Masstab 1: 32

Der Grund ,dass ich ausgerechnet auf diese Loktype kam, war der, dass ein Bekannter mir mehrere Dampflokradsätze besorgte, welche einen Durchmesser von 46 mm hatten. Dann ging die Suche los und bei der S160 hat es gepasst.Die Lok hat außerdem schwarz lackierte Räder so dass auch die etwas gerinere Speichenzahl der Spur 2-Radsätze nicht auffällt.
Des weiteren gibt es bei der Lok einen gewaltigen geschichts-historischen Hintergrund, den es so in dieser Form noch nicht gab und welcher zu Diskussionen anregt und ein entsprechender Zug(Themenzug) wird parallel zum Bau der S 160 auch noch konzipiert.

Ausserdem: Es soll hier kein hochwertiges,nietenzählergerechtes Objekt auf das Gleis gestellt werden. Die Lok soll in etwa so aussehen wie das Original.
An Feingussteilen wurden nur die Luftpumpe und die Aufstiege vorn an der Pufferbohle verwendet.
Die Bauzeit zog sich etwa über ein Jahr hin.Materialkosten für das was die Bastelkiste nicht hergab: ca. 120 Euro. 4 handbediente Fräsmaschinen und eine Myford Super 7 _Drehbank sind schon länger vorhanden und werden für so ein Projekt natürlich eingesetzt.
Die Erfahrungen , welche man mit so einem Dampflokprojekt-Projekt sammelt sind jedoch ganz enorm,vor allem fliessen sie gleich bei der nächsten Lok mit ein ,Fehler die man einmal gemacht hat, macht man ein zweites Mal hoffentlich nicht mehr.
Die Bauweise ist fast ganz aus Messing,bis auf wenige Teile z. B.den langgezogenen Dom.
Hilfsteile die man nicht sieht und kleine Detailierungsteile zum Ankleben mit Sekundenkleber
sind aus Kunststoff.
Der Rahmen besteht aus 3 mm Barren, die Zylinder sind aus Aluklötzen, gefräst und rundgefeilt.DIe Kuppelräder welche ich verwende stammen wie schon gesagt aus dem
2m-Bereich(LGB),deswegen muss der 3 mm hohe Spurkranz auf ca. 2mm abgedreht werden.

Noch was Grundsätzliches: Da wir hier eine ungefederte Lok vorliegen haben(ähnlich Br.55 von Märklin), sollte man keine Experimente in Richtung Fine Scale-Räder unternehmen, sie könnten schiefgehen.
Eine Lok in Fine Scale -Ausführung sollte unbedingt ein gefedertes oder noch besser ein gelenkiges Fahrwerk haben,dabei darf ruhig die letzte Achse eines 3-oder 4-Kupplers fest im Rahmen gelagert sein(auch wegen des Antriebes). Durch die Gelenkigkeit wird eine
3-Punktlagerung erzeugt, so dass alle Räder der Lok mit Druck belastet sind und auch bei kleiner Spurkranzhöhe die Fahrsicherheit gewährleistet wird.

Der Kessel ist im vorderen und mittleren Bereich zylindrisch,im Bereich der Feuerbüchse ist er in der Höhe zum Führerhaus hin etwas eingezogen,das habe ich nicht nachgebildet.
Dagegen die seitliche Ausweitung ist angedeutet. Dies hat beim grossen Vorbild den den Sinn, eine grosse Rostoberfläche und viel Kesselleistung zu bekommen.Bei südafrikanischen Loks z.B. der 15 F sieht man das ganz extrem.Hier erreicht der ausgeweitete Stehkessel fast an die Breite des Führerhauses(!).

Der Antrieb meiner Lok geht auf die letzte Kuppelachse welche schon ein Kunststoffzahnrad (Schneckenrad) mit 35 Zähnen aufweist. Der Bühlermotor mit der Schnecke (von LGB) liegt nur auf dem Schneckenrad auf ,hinten ist er über den Rahmenverbinder fixiert. Also wird vorn über dem Motorlagerschild nochmal ein Querbügel angebracht damit der Motor nicht nach oben aus der Verzahnung kann. Dies ist ein einfacher Lokantrieb.Der Fahrbetrieb wird zeigen wie sich das bewährt.
Radschleifer zur Schienenstromabnahme sind nicht vorgesehen da die Lok mit Akku, Regler und Fernsteuerung betrieben werden soll.Es muss aber kontrolliert werden, dass auf digitalem Gleis kein Kurzschluss verursacht wird.
Als Bauzeichnung habe ich die Skizze aus LOK MAGAZIN 1/1980 verwendet, hochkopiert auf 1:32, und von dort dann die Masse abgenommen.Von wichtigen Teilen ,wie die Rahmenwangen empfiehlt es sich aber eine separate Skizze anzufertigen.Noch ein wichtiger Tip für diese und ähnliche Loks : Der Vorbildradstand ist sehr eng,deswegen muss bei der Modellok der Radstand etwas grösser gewählt werden, sonst schleifen die Spurkränze aneinander.
Ausserdem ist genügend Freiraum für das Ausschwenken der Vorlaufachse einzuplanen,abhängig auch vom Mindestradius welchen man fahren möchte.
So , das wär's fürs Erste mit der kleinen Einführung in den Modellok-Bau, für die Beschreibung des Tenders und die Komplettierung der Lok melde ich mich
demnächst wieder.

Viele Grüsse Hans-Peter


Angefügte Bilder:
Fahrw.MS S160.jpg   Fahrwerk lack.S160.jpg   FW.S160.jpg   FW.S160 lack.v.vorn.jpg   FW.S160 von oben.jpg   S 160 Aufb.Seite.jpg  
 
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RE: Der Bau der US-amerikanischen Kriegslokomotive S 160

#2 von k4t30 , 13.11.2011 17:06

Hallo Hans-Peter,

das scheint ja ein schönes Modell zu werden, welches sicher auch so schnell nicht in Serie hergestellt werden wird.

Ich möchte noch ergänzen, dass man beim Selbstbau von Loks der Achsfolge 1'D oder 1'E darüber nachdenken sollte, den Abstand der Rahmenwangen geringfügig zu verkleinern, damit die gekuppelten Achsen in der Kurve mehr setliches Spiel haben.
Dann müssen als Ausgleich natürlich die Zylinder etwas breiter werden, auch damit der Kreuzkopf später nicht an der vordersten Kuppelstange schleift.

Ein strikter Nachbau nach Vorbildplänen ohne Kompromisse wäre also mit großen Einschränkungen bezüglich der Einsetzbarkeit eines Modells verbunden. Es sei denn, man hat eine Halle zur Verfügung und fährt auf vorbildgerechten Radien….

Gruß aus Hamburg

Henning

 
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RE: Der Bau der US-amerikanischen Kriegslokomotive S 160

#3 von Buentig , 22.11.2011 13:16

Hallo Henning

Danke für Dein Interesse an diesem Projekt. Ich denke auch, dass so ein Exote wie die S160 nichts für die breite Masse der Spur 1 er ist. Für die Hersteller ist das wegen der geringen Stückzahl nie ein Thema. Die Umfragen zeigen was die Leute so wollen.
Anders sieht es im Militärbereich aus. Die S 160 stellt das alliierte Gegenstück zur deutschen Kriegslok BR 52 dar. Die Fa. Trompeter könnte so etwas realisieren, natürlich in 1 : 35 dem Militärmasstab .
Damit erführe dieser Bereich eine geschichtlich relevante Bereicherung.
Auch könnte man einen neuen Masstab einführen, „Spur 1 M “ das `M' steht für Militär
und 1:35. Aber da hat die NEM und andere Leute auch noch ein Wörtchen mitzureden.
Nun zu meiner Lok, Du hast recht, man muss den Achsen Spiel geben,sonst geht in Modellbahnkurven nicht viel.
Bei mir ist die Rahmenbreite aussen 36mm.Die Achslagergleitsteine bauen nach aussen
noch ca. 0,5 mm auf. Die Räder schleifen damit nicht am Rahmen.Kollision Kreuzkopf-vordere Kuppelstange gibt es derzeit nicht, aber der Fahrbetrieb steht noch aus .
Die Lok ist bis auf ein paar kleine Details fertig und auch schon lackiert, aber ich komme nicht dazu die Fernsteuerung einzubauen.
Der Kreuzkopf mit den 2 Gleitbahnen war für mich neu, Potential zum Verbessern auch
was die Befestigung anbelangt, ist hier immer noch gegeben.
Ob die Lok bei Geradeausfahrt schlingert muss man sehen, die Vorlaufachse pendelt jedenfalls frei herum.
Bei Deiner 52 mit dem grossen Abstand der 5 Treibachsen ist die Schlingerneigung
vielleicht nicht so gross .Evtl. könnte man versuchen die Vorlaufachse mit einer Blattfeder
immer in Mittelstellung zu halten, wie beim grossen Vorbild. Die allerbeste Lösung wäre
wohl eine Koppelung von Vorlaufachse und erster Kuppelachse (Krauss-Helmholtz), aber
ob sich der Aufwand lohnt , das ist hier die Frage. Wie die Fernost-Hersteller das Problem
der Vorlaufachse gelöst haben weiss ich noch nicht, könnte sich aber ändern, meine Kollegen besitzten 50 er. So, dann wünsche ich Dir noch viel Erfolg beim Bau der 52er , ich werde das aufmerksam verfolgen.Die vielen Details ,welche bis jetzt zu sehen sind ,das ist schon klasse.
Ich hätte nicht immer die Geduld dazu.

Viele Grüsse Hans-Peter

 
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RE: Der Bau der US-amerikanischen Kriegslokomotive S 160

#4 von k4t30 , 26.11.2011 19:56

Hallo Hans-Peter,

sinnvoll wäre es vielleicht, zwei Federn, die gegen die Rahmenwangen drücken am Vorlaufdrehgestell einzubauen, falls Dein Modell doch zu sehr schlingern sollte.
Krauss-Helmholz Drehgestelle sind wohl nur für große Radien geeignet. In sehr stark vereinfachter Form habe ich das bei meinem „Erstlingswerk“ auch eingebaut, allerdings ohne Rückstellfeder. Ich hatte vor dem Bau mit einem Rahmenmodell aus Pappe ein wenig herumprobiert. Optimal erschien es mir, die vierte Kuppelachse seitlich unverschieblich auszubilden, sowie den Drehzapfen des besagten Drehgestells. Ob das eine gute Entscheidung war, wird sich später zeigen. Erste Probeläufe waren in der Hinsicht zufrieden stellend, allerdings noch ohne Tender.
Als ich Ende der 90er angefangen habe, gab es nur den Hübner 2.30m Radius und den Schweineradius. Entschieden habe ich mich für den 2.30m Radius, da es sonst in der Kurve ganz schön eng wird. Beim Schweineradius wäre die Umsetzung im Modell noch schwieriger geworden. Und einen Knickrahmen gefiel mir aus optischen Gründen nicht. Leider hat sich der 2.30m Radius bei den Modulbauern nicht durchgesetzt. Ich will damit aber nicht diejenigen kritisieren, die mit Ihren Lokomotiven mit langen Achsständen den Schweineradius befahren.
Viel Erfolg auch Dir für den weiteren Bau Deines Modells !
Die Kriegslok hast Du ja doch in sehr kurzer Zeit fast fertig bekommen, so wie es auch sein soll.

Viele Grüße aus Hamburg

Henning

 
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RE: Der Bau der US-amerikanischen Kriegslokomotive S 160

#5 von Buentig , 18.12.2011 15:11

Hallo Henning,
die Idee ,dass 2 Federn von innen gegen den Rahmen drücken und so das Vorlaufgestell
auf „Geradeauskurs“ halten ist nicht schlecht, weil auch Höhenbewegungen mitgemacht
werden.Mit einem Problem muss man allerdings bei kleinen Radien (unter 2 Meter und
Borstenvieh-Radius) und hoher Rückstellkraft rechnen : Unsere Vorlauf/Nachlaufachsen
sowie Vorlauf /Nachlaufgestelle sind in der Regel gegenüber dem grossen Vorbild zu leicht.
Bei Anlauf Spurkranz/Schiene könnte der Radsatz hochsteigen und entgleisen. Beim
grossen Vorbild passiert das weniger aber es gibt Verschleiss an Rad und Schiene was
man wiederum durch „Spurkranzschmierung“ in Grenzen halten wollte.Also müssen wir
unsere Vorlauf/Nachlaufachsen ziemlich massiv bauen, Scheibenräder im Vorlauf kann man
dann aus dem schwerem Messing herstellen, so auch bei meiner S 160. Federn zum
Basteln aller Art gewinne ich durch Ausschlachten von alten Druckern,Videorekordern usw.
Dabei findet man auch noch andere schöne Materialien wie Rundstahl,
Zahnräder ,Zahnriementriebe oder sogar ein fertig aufgebautes Schneckengetriebe
mit 12 V – Motor.
Noch was zu den Fertigungszeiten für unsere Eigenbauloks.Ich befinde mich derzeit in
einer Art Altersteilzeit aber ohne Zuschüsse von Staat und Betrieb.Da hat man eben mehr
Zeit für Hobby und Basteln.
Geplant war das allerdings nicht, aber gegen eine Entlassung in 2009 kann man eben
nichts machen.Doch mit Abfindung und 2 Jahre Alg. 1 war es doch kein zu schlechtes „Geschäft“.
Ich verbringe auch viel Zeit in „meinem“ Museum was 10 Fahrradminuten von meiner
Wohnung entfert ist; hier habe ich fast die ganze Bandbreite deutscher
Dampfloktechnik immer zur Verfügung,kann nachschauen, vermessen usw.An 5 Dampfloks werden derzeit
Privat-HU`s vorgenommen, natürlich mit dem Ziel der Betriebstüchtigkeit,sogar eine 52 -80
ist dabei und auch der Neuzugang die 41073 welche ich noch auf der Emslandstrecke
erlebt und fotografiert habe, ist sehr interessant.
Die 043 315 ist natürlich auch eine „alte Bekannte“ von mir, die bleibt aber so wie sie ist, ohne HU.Welcher Lokbastler hat solche Möglichkeiten? Da muss man eben zufrieden sein.
Anbei noch ein Bild vom Stand der Dinge.

Mit vielen weihnachtlichen Grüssen

Hans-Peter


Angefügte Bilder:
S160 schön.jpg  
 
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zuletzt bearbeitet 18.12.2011 | Top

RE: Der Bau der US-amerikanischen Kriegslokomotive S 160

#6 von k4t30 , 21.12.2011 10:49

Moin Hans-Peter,

bei dem Vorschlag habe ich angenommen, daß das Vorlaufdrehgestell auch einen Teil des Lokgewichtes über eine senkrechte Feder oder ähnliches mit trägt. Sonst funktioniert das sicher nicht so gut mit den seitlichen Federn.
Alte Geräte habe ich auch schon ausgeschlachtet. Die alten Tonbandgeräte haben z.B. gute Lager für die schweren Schwungmassen.

Wenn man mal etwas mehr Zeit für das Hobby zur Verfügung hat, sollte man sich glücklich schätzen. Viel braucht man doch eigentlich nicht für unser Hobby. Lieber ein Modell selbst bauen oder ein liebevoll gestaltetes Diorama erstellen als eine Riesensammlung käuflicher Modelle im Regal verstauben zu lassen !

Einen Eisenbahnverein habe ich nicht in der Nähe, im Süden und in der ehem. DDR scheint das Interesse der Bevölkerung an Museumsbahnen etwas größer zu sein.

Frohes Fest und guten Rutsch

Henning

 
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